Otto W. Stern – Nobelpreisforschung in Bockenheim

Otto W. Stern – Nobelpreisforschung in Bockenheim

Der Frankfurter Stadtteil Bockenheim ist nicht nur ein Ort lebendiger Stadtgeschichte, sondern auch ein Schauplatz weltbewegender Wissenschaft. Einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts, Otto Stern (1888–1969), hat hier geforscht – mit Folgen, die die moderne Physik nachhaltig geprägt haben.

Stern wirkte von 1914 bis 1921 an der Universität Frankfurt. Sein Arbeitsplatz befand sich in der sogenannten „Alten Physik“ in der Robert-Mayer-Straße 2–4, mitten in Bockenheim. In diesen Laboren führte er gemeinsam mit Walther Gerlach 1921/22 eines der berühmtesten Experimente der Wissenschaftsgeschichte durch: den Stern-Gerlach-Versuch. Er zeigte erstmals, dass Atome im Magnetfeld nur bestimmte, diskrete Richtungen einnehmen können – ein Schlüsselnachweis der Quantenphysik. Das Gebäude gilt deshalb bis heute als „Historic Site“ der Physik.

Auch wenn Stern den Nobelpreis für Physik erst später erhielt – verliehen 1943 für das Jahr 1944 – lagen die entscheidenden Grundlagen seiner Arbeiten in Frankfurt und Bockenheim. Ausgezeichnet wurde er für die Entwicklung der Molekularstrahlmethode und die Entdeckung des magnetischen Moments des Protons.

1933 zwang ihn seine jüdische Herkunft zur Emigration. Über mehrere Stationen gelangte Stern in die USA, wo er seine Forschung fortsetzte. Dennoch blieb sein Name mit Frankfurt verbunden: Die Goethe-Universität Frankfurt benannte 2011 ein zentrales Hörsaal- und Bibliotheksgebäude nach ihm – das Otto-Stern-Zentrum.

Heute erinnert eine Gedenktafel am Haus des Physikalischen Vereins in Bockenheim an Otto Stern. Sie macht sichtbar: Weltwissenschaft begann hier, zwischen Wohnhäusern, Straßen und dem Alltag eines Stadtteils.

Bockenheim zeigt mit Otto Stern, dass große Ideen oft an unscheinbaren Orten entstehen. Wo genau hinschauen, geduldig forschen und Mut zum Neuen zusammenkommen, kann Weltveränderndes wachsen – damals wie heute.

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