Futuristisches Empfangstor mit Geschichte: Eingang Messe Tor Nord

Futuristisches Empfangstor mit Geschichte: Eingang Messe Tor Nord

Wer abends oder nachts an der Theodor-Heuss-Allee unterwegs ist, kann diesen Anblick kaum übersehen: Über dem roten Wachgebäude am Eingang Messe Tor Nord schwebt ein leuchtend weißes, ovales Dach. Fast wirkt es wie ein futuristisches Raumschiff, das gelandet ist – hell, elegant und überraschend leicht. Gerade in der Dunkelheit setzt dieses Bauwerk einen markanten Akzent und zeigt: Auch funktionale Architektur kann sehenswert sein.

Der Eingang Messe Tor Nord ist weit mehr als nur eine Zufahrt oder Kontrollstelle. Er ist Empfangstor, Orientierungspunkt und architektonisches Zeichen zugleich. Entworfen wurde das Bauwerk vom Architekten Ingo Schrader. 2013 entstand es als moderner Ersatz für das frühere provisorische Wachgebäude. Der Entwurf hatte zuvor den 1. Preis in einem Architekturwettbewerb gewonnen – und wer das Tor heute bei Nacht sieht, versteht schnell, warum.

Besonders eindrucksvoll ist die Konstruktion des Daches. Es misst 42 mal 18 Meter und wurde vollständig in einer Werkstatt vorgefertigt. Anschließend wurde es in Einzelteile zerlegt, zur Messe transportiert und vor Ort wieder verschweißt. So verbindet das Tor moderne Ingenieurskunst mit einer klaren, einprägsamen Form.

Zu Messezeiten ist der Zugang rund um die Uhr besetzt. Ausstellerinnen und Aussteller, Besucherinnen und Besucher passieren hier das Gelände. Das Tor erfüllt also eine ganz praktische Aufgabe – und macht daraus zugleich eine repräsentative Geste. Es begrüßt, kontrolliert, schützt und markiert den Übergang in die Welt der Messe.

Was viele nicht wissen: Die Messe Frankfurt steht auch auf Bockenheimer Terrain. Sie erstreckt sich über die Stadtteile Bockenheim und Westend-Süd. Ihre Geschichte reicht fast 800 Jahre zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1240, als Kaiser Friedrich II. den Frankfurter Kaufleuten besonderen Reichsschutz gewährte. Diese Urkunde gilt als eine Art „Geburtsstunde“ der Frankfurter Messe, die früher am Römer stattfand.

Die heutige Messegesellschaft wurde 1907 von der Stadt Frankfurt und 16 Bürgern als Ausstellungs- und Festhallengesellschaft mbH gegründet. Das Kapital betrug drei Millionen Goldmark – nach heutigem Wert über 20 Millionen Euro – und wurde je zur Hälfte von der Stadt und von den Bürgern aufgebracht.

So erzählt der Eingang Messe Tor Nord gleich mehrere Geschichten: von moderner Architektur, von Messebetrieb und Stadtraum, von Frankfurter Wirtschaftsgeschichte – und nicht zuletzt von Bockenheim. Denn auch hier gilt: Wer genau hinschaut, entdeckt Sehenswertes an Orten, an denen man vielleicht nur vorbeifährt.

Mehr dazu findet sich in unserem Buch:
Ruth Krämer-Klink / Otto Ziegelmeier: „Sehenswertes Bockenheim – Rundgänge durch den Stadtteil“, Tour 3.8, Seiten 68–69.

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