07. Die 68er Protestbewegung

26. Abriss Günther und Co., Ohmstrasse, Juli 1985
Foto: H.J. Hammelmann
27. Bockenheimer Depot 1979
Institut für Stadtgeschichte
Foto: Meier-Ude
28. Bockenheimer Depot 1989
Institut für Stadtgeschichte
Foto: Meier-Ude
29. Leipziger Strasse / Ecke Gräfstrasse, Juli 1985
Foto: H.J. Hammelmann

Gegen Ende der 60er Jahre kommt eine Protestbewegung überwiegend junger Leute in Gang, die ihre Motive und Anstöße aus verschiedenen Richtungen erhält. Zu ihren Ausgangspunkten zählen u.a. ein allgemeines Unbehagen an der Wohlstandsgesellschaft und deren starker Ausrichtung am Konsum, der Widerstand gegen die Notstandsgesetze und die politische Berichterstattung der Springer-Presse. An Motiven, die über Deutschland hinausgehen, ist der weltweite Abscheu über den Vietnamkrieg zu nennen. Ganz im Zentrum der Protest-Anstöße steht für die junge Generation allerdings die Verdrängung der jüngsten deutschen Vergangenheit durch die Generation der Älteren und das in ihren Augen uneingelöste Versprechen von Demokratie.

Die Universität mit ihren seit den 60er Jahren stark anwachsenden Studentenzahlen – schon damals wird eine Bildungskatastrophe ausgerufen – wirkt als ein Treibhaus der Ideen. Hier wird ein kritisches Denken praktiziert, das die Schwächen und Mängel der gegenwärtigen Gesellschaft durchschaut und für eine gerechtere und humanere Gesellschaft in der Zukunft plädiert. Neue Lebensformen, die auf die Beseitigung jeglicher Formen von Unterdrückung zielen und den gesamten Alltag politisieren, werden in vorwiegend studentischen Wohngemeinschaften erprobt, die gerade in Bockenheim zahlreich anzutreffen sind. In Bockenheim stößt man aber auch auf die Kneipen, in denen heftig debattiert wird und die so charakteristisch für die Jugend- und Protestkultur sind.

Von der Universität gehen Demonstrationen in die Innenstadt und andere Stadtteile aus, die die Parolen des Protestes verbreiten, der Auseinandersetzung mit der Staatsmacht ein mediales Echo verleihen und so die Diskussion über die Ideen, die Ziele und die gesellschaftlichen Folgen der Protestbewegung anstacheln.
Langfristige Auswirkungen auf die politische Kultur haben die feministische und die ökologische Programmatik, die im Gefolge der Protestbewegung an Kraft gewinnen. Feministisch engagierte Frauen gründen einen Frauenbuchladen in der Kiesstrasse und ein Frauenzentrum in der Hamburger Allee. Einige der prominenten Vorkämpfer der ökologischen Bewegung, die bald eine Partei sein wird, sind in Bockenheim zu Hause.


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