Gottesdienst zur Eröffnung der Bikersaison 2006

Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus.
Amen.

Ich darf Sie herzlich begrüßen auch im Namen der evangelischen Bockenheimer Gemeinde und Frau Pfarrerin Trautwein und Pfarrer Truß-Trautwein.


Liebe Bikergemeinde,
liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

Martin Luther hat einmal sehr drastisch gesagt: „Ein mürrischer Mensch ist wie der Furz des Teufels: Er verpestet seine ganze Umgebung.“ Und wenn ich hier so in die Runde schaue, dann ….. nein, es sind auch viele darunter, die fröhlich sind. Aber woran liegt das, dass so viele Menschen mürrisch, verbittert, ohne Freude durchs Leben laufen und biken? Woran liegt das, dass so viele Menschen alles nur grau in grau sehen? Woran liegt das, dass so viele Menschen keine Freude mehr an ihrer Arbeit und an ihrem Leben haben? Und wie ist das mit Dir – verpestest Du auch Deine ganze Umgebung? Hast Du einen Grund dazu?
Wieder hat eine Saison begonnen. Viele werden im nächsten Monat mit ihrem Trike oder durch die Lande brausen wie in den Jahren zuvor. Wenn ihr einmal zurückdenkt, dann werdet ihr alle sagen können: Ich habe oft Glück gehabt, bin ein paar Mal dicht an einem Crash vorbeigeschrabbt, habe nicht für jede Geschwindigkeitsüberschreitung Strafe zahlen müssen – sonst wäre mein Lappen wohl schon weg -.
Und obwohl das alles so war, und wir eigentlich sagen müssten: „Klasse, lieber Gott, hat viel Spaß und Freude gemacht!“, latschen wir wie Trauerklöße durch den Tag, schauen mürrisch in der Gegend rum, ärgern uns über Belanglosigkeiten und sind, wie Luther sagte, „der Furz des Teufels“, der seine ganze Umgebung mit seiner schlechten Laune und seinem negativen Denken verpestet. Warum ist das so? Woher kommt das?

Das Leben hat Spuren bei uns hinterlassen. Und auch wir haben auf der Straße unseres Lebens Spuren hinterlassen. Auch an uns hat der Asphalt der Zeit geschabt, gerüttelt und geschliffen. Und viele haben ihr Profil verloren, weil sie sich angepasst haben. Das aber ist genau der Unterschied zu einem Reifen: Einige verlieren ihr Profil – so wie er – und andere gewinnen ihr Profil. Gott hat jeden von euch ein Profil gegeben. Ein Profil, das genau auf euch abgestimmt ist. Ein Profil, das einmalig ist in dieser Welt. Ein Profil, das nur Du hast. Aber wenn ich dann so rumschaue, dann sehe ich viele Menschen, wie sie abgefahren, profillos, ausgelutscht und manchmal sogar fast platt auf der Straße des Lebens herumeiern, gebraucht und missbraucht von ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt, angepasst an die Gesellschaft, in der Masse mitschwimmend. Aber liebe Bikerschwestern und –brüder, das kann es doch nicht sein! Das darf es doch nicht sein! Jedenfalls nicht, wenn es nach dem Willen Gottes geht! Gott hat keine Massenware Mensch hergestellt, sondern er hat Einzigartigkeiten geschaffen. Du bist etwas Einzigartiges! Warum machst Du aus Dir einen Trauerklos und eine Massenware? Ich verstehe Dich nicht. Deine Maschine versuchst Du so zu gestalten, dass sie eine persönliche Note bekommt, dass sie anders ist – manchmal nur in Kleinigkeiten – und Du schwimmst wie ein toter Fisch in der Masse mit, lässt Dir von anderen Dein Profil nehmen, um dann angepasst auf der Straße der Gesellschaft bis zum Schrottplatz zu rauschen. Das war und ist nicht der Plan, den Gott mit Dir vorhatte und vorhat. Gott möchte nämlich, dass Du mit Profil auf der Straße des Lebens fährst und er möchte vor allem, dass Du nicht auf dem Schrottplatz des Todes endest, sondern, dass Du durch den Tod hindurch ins ewige Leben rauschst! Das klappt aber nur, wenn Du nicht wie ein toter Fisch mit der Masse Dich treiben lässt, denn um an die Quelle zu kommen, musst Du wie ein lebendiger Fisch gegen den Strom schwimmen. Und die Quelle, das weißt Du selber, ist Gott!

Es kommt also ganz allein auf Dich an. Du allein entscheidest über Dein Leben. Du allein hast es in der Hand, ob Du als profilloser Schlappen Deine Erdenzeit abspulst, oder ob Du mit Profil die Kurven und Hindernisse des Lebens meisterst. Wenn Gott Deine Zapfsäule und der Glaube Dein Sprit ist, dann bist Du kein Loser, sondern gehörst zu den heiteren und glücklichen Menschen.

Und wie ist das in den Momenten, wo man meint, es geht nicht mehr weiter, wo man sich allein und verlassen vorkommt?
Ich möchte Dir zum Schluss noch eine kleine Geschichte mit auf den Weg geben, eine Geschichte, die mir immer wieder geholfen hat und hilft. Sie heißt: Spuren im Sand.

Ein Mann träumte, dass er zusammen mit Gott am Strande des Meeres entlangging. Sie sprachen miteinander über sein Leben. Da deutete Gott nach rückwärts und zeigte ihm die Fußspuren, die sie im weichen Sand hinterlassen hatten. Der Mann erkannte, dass zu jedem Tag seines Lebens zwei Paar Fußabdrücke gehörten. Er sah neben seinen die Spuren Gottes und verstand: Gott ist mit ihm durchs Leben gegangen. Und er wurde sehr dankbar. Als er aber weiter zurückschaute, merkte er, dass über weite Strecken nur ein paar Fußabdrücke da waren. Er stellte fest, dass das gerade an den traurigen und schweren Tagen seines Lebens der Fall war. Er fragte Gott: Warum habe ich gerade an den Tagen meines Leides alleine gehen müssen? Warum sind da nur meine Spuren im Sand? - Gott lächelte: Du irrst dich. Ich lasse dich nie allein. Die Spuren, die du siehst, stammen nicht von dir. Es sind meine. An den schweren Tagen habe ich dich in meinen Armen gehalten und getragen.

In dieser Gewissheit mögest Du sicher auf Deiner Straße des Lebens durch die Zeit gleiten und Du genug Profil haben, um die Kurven und Hindernisse zu meistern, - in heiterer Gelassenheit, denn Gott ist mit Dir!
Amen.

Gebet – Lasset uns beten.
Barmherziger Gott, das Leben erwacht – in der Natur und auch in mir. Voller Freude zieht es mich hinaus in Deine wunderbare Schöpfung. Auf dem Motorrad bin ich der Natur und Dir ganz nah.
Ich weiß, wie gefährlich das Fahren ohne Karosserie und Airbag ist. Ich weiß, wie hoch die Anforderungen beim Fahren mit einem Zweirad sind. Aber Du weißt es auch: Im Zusammenspiel von Sonne, Wind und Maschine erlebe ich Freiheit und meine Seele tankt auf.
Ich bitte Dich, begleite mich auf meinen Wegen, auf den Fahrten – den guten und den schlechten.

Schenke mir Geduld und Toleranz, wenn meine Zeit zu rennen beginnt und der vor mir „alle Zeit der Welt“ zu haben scheint.

Schenke mir Geduld und Toleranz im Umgang mit anderen Bikern. Keiner ist so wie ich, aber alle sind Kinder Gottes.

Offenbare mir diese lebensrettende Geduld und Toleranz auch im Umgang mit den Autofahrern, die nicht wissen, was es heißt, auf nur zwei Rädern unterwegs zu sein.
Schenke mir Deine Gnade und Deinen Segen: heute hier im Gottesdienst und auf all meinen Wegen! Bleibe Du mit Deinem Geist bei mir!

Das bitte ich im Namen Jesus Christi, Deinem Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Lasst uns gemeinsam beten, wie der Herr es uns gelehrt hat:

Vater unser,
Der Du bist im Himmel,
Geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
Wie im Himmel
So auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,
Und vergib uns unsere Schuld,
Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern,
Und führe uns nicht in Versuchung,
Sondern erlöse uns von dem Bösen,
Denn Dein ist das Reich
Und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit.
Amen.


Gott ist bei euch in seinem Segen:

Möge Dein Weg Dir stets entgegenkommen,
der Wind Dir stets im Rücken sein.
Möge die Sonne Dein Gesicht erwärmen,
und Dein Reifen stets die richtige Haftung haben,
bis wir uns wieder sehen, halte Gott seine schützende und segnende Hand über Dich!

Es segne euch der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.AMEN


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